Ural 650

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Ural 650, ein Russe, Vorkriegstechnik - oder warum tut man sich so was an ?

Frank ist schuld, soviel steht fest.

Folgende Vorgeschichte hat das Ganze:
Ab 15 muss man Mopped fahrn, klar. Also habe ich mich hochgekämpft über Jawa Mofa, Zündapp Roller (2x), Heinkel 103A1, 3 x 103A2, Adler M100, Suzuki GT125, Honda CB200, Zündapp Bella, BMW R25/3 mit Steib LS200, Honda CB400, NSU Prima und was da sonst noch war. Dann wie häufig Kinder, Familie, Beruf und nix mehr mit Mopped fah’n. Bis zu jener denkwürdigen Fahrt 20 Jahre später mit Kumpel Frank vom Arbeiten am Boot zurück ins Rurgebiet. muss so Frühsommer 2004 gewesen sein. (Anmerkung von Frank: “Das, mein lieber Georg, war am Sonntag, dem 2. Mai 2004”

Frank erzählt ‘so nebenbei’, dass er sich eine Ural 650 zugelegt habe. Ein Gespann wollte er immer schon, aber was für Ernst, nach Norwegen zur Krystallrally müsse man und ein Russeneisen wäre da das Richtige. Er hätte auch nette Kontakte (Gruß an Langenberg) und überhaupt, da könne und müsse man noch so richtig mal bei schlossern. Vorschlaghammer statt Plastespachtel, ährliches Material, kein Spielkroam und so weiter...

Hmm, Gespann bin ich ja mal gefahren, wäre ja auch was für mit den Kindern, hmmmm. Es folgten einige Verdrängungsversuche, dann ein vergeblicher Anlauf (angebotener Schrotthaufen aus der Bucht) aber bereits im Juni 2004 war es dann auch bei mir soweit. Ein netter Kontakt in Ostberlin, schööne Bilder und auch noch ein angetriebener Beiwagen für den Schnee - also los und abgeholt !

Aber eine echte russische Zarin zeigt erst mal ihre Zicken. Hier meine erste Mail im Yahoo-Russenboxerforum und zeitgleich bei Ural-Dnepr-Net:

“Moin @ll,
nach wohlbedachtem (?!) Kauf einer 98er Ural 8.103-40 mit Beiwagenantrieb erlaube ich mir dieses so scheint's von netten, gleichgesinnt-verrückten Individuen bevölkerte Forum heimzusuchen.
Als Einstimmung zu meiner Person folgende nette Begebenheit; so wisst Ihr schon ein wenig, mit wem Ihr es zu tun bekommt:
Nachdem Besuch des StVA zwecks Ummeldung wollte ich doch mal eben auch schnell noch zum TÜV. Gedenk des qualmenden Ausgehens einen Tag nach Kauf also flugs den Elektrospaghetti unter dem Lampentopf begutachtet - nix zu sehen. Hm, russische Selbstheilung vermutlich. Also alles klar. Los geht's ! Bootsfrau Christa in das Boot, Mopped an (schon beim 10ten Mal, oh Wunder...) und Gang eingelegt - waaaaahhhhhh !!!! Brand !!!! Qualm !!!! Feuuuuueeeerrrrrr !!!! Hauptschalter umgelegt (man gut, dass die Russen sowas noch einbauen), Christa jumpt aus dem Beiwagen, Brand aus. Hmmm, unter dem Tank ??? Üble Sache, das.

Also alte Klamotten an, das noch komplett vorhandene russische Bordwerkzeug ausgerollt, erst mal den Sattel ab. Aha, ein verschmortes Käbelchen. Wollen wir es denn mal verfolgen, schnell einen farbigen Schaltplan aus dem Internetz ausgedruckt, soso, von der Batterie Plus zur LiMa und weiter zum Schüsselschalter. Au backe, mir schwant Übles.

Aber auch Hoffnung macht sich breit: Da war doch so ein rasselndes Geräusch letztens ? Hat sich gegebenenfalls die LiMa zerlegt und hinterlistig einen Kurzschluss verursaubeutelt ? Fein alle
Käbelchen auseinandergepusselt, jo, nur dasjenige welche von Batterie plus zur LiMa hat sich unter Absonderung von schwarzem Stinkepulver von seiner Isolierung getrennt. Also LiMa auf, halt stopp - erst muss ja der Tank ab. Sauerei, jede Menge teuerstes Benzin auf Hose und Schuhe - schxxx Verbindungsschlauch !!! Na warte, und ab. LiMa Deckel abgedröselt und siehe da: Der kühlende Luft schaufelnde Propeller sitzt neben, nicht auf der Welle. Und das hinterhältige losgeratterte Befestigungsschräubeli schmiss anscheinend seinen Federring nebst Propellerhalter justament in die heikle offene Russenelektrik -bruzzel&stink das Ergebnis.

Nur ein Stündchen oder auch zwei mit dem Anfertigen eines neuen Käbelchens verbracht, alles schick neu einspleissen, Tank wieder drauf (und wieeeeeder alles voll Stinkebenzin), jau. So soll eine Russenlady bollern, kein Geschepper mehr, satter Prött aus beiden Rohren.

Was mir so am Rande auffiel: Mein Kumpel Peter (der Herr der Elektronen) wäre im siebten Himmel. So eine Elektrik, nur durch guten Willen vor eindringendem Regenwasser geschützt, habe ich noch nie gesehen. Selbst die LiMa ist eigentlich komplett offen. Löppt das alles eigentlich auch bei Regen noch ??

In diesem Sinne,
fragende Grüße
Georg
mit 2radAntrieb “

Soweit zum Anfang, nach nunmehr > 11.000km und diversen kleinen und großen Schrauberaktionen mag ich SIE, die zickige Zarin “Anastasia Bollerowa”, nicht mehr missen.

Für den wens interessiert die bereinigten Kinderkrankheiten:
Lichtmaschine gegen stärkere getauscht wegen Popo- und Beiwagenheizmatte sowie Griffheizung, Kardangelenk-Lager zum BW-Antrieb verschlissen bei km 10.000, Ventile eingelaufen bei km 11.000, jede Menge neue Leitungen (die russischen haben alle die gleiche Farbe und waren teils abgeraucht), 1 Blinkerbirne, Simmering zum Getriebeausgang 3x gewechselt (eigene Dummheit) - das war’s ! Und da es sich um Vorkriegstechnik handelt, ist schrauben recht einfach: Dicker Mottek, Draht und Kabelbinder gehören allerdings ins Werkzeug !

Für alle die es jetzt auch juckt: Ohne Garage (zum Schrauben, nicht unterstellen) würde ich einen Russen nicht angehen ! Es ist wie gesagt Vorkriegstechnik, a weng a schrauben sollte man können und das eben möglichst im trockenen mit Licht - aus dem Alter der Straßenranschrauber sind wir raus !

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(c) Georg Seifert / steelisreal.de

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